Von den Ursprüngen bis heute

 

Von den Ursprüngen bis heute

Jahrtausende alte Bildnisse von tanzenden Menschen aus dem alten Ägypten sind bekannt.

Damals gab es offensichtlich Tanzvorstellungen bei den wichtigsten Festen wie zum Beispiel jeden Hochsommer als der Stern Sirius am Himmel wieder sichtbar wurde, was damals zeitlich genau zusammenfiel mit der so lebenswichtigen Nilflut, die ganz Ägypten  Fruchtbarkeit brachte. Sirius war bei den alten Ägyptern  übrigens eine Göttin und hiess Sopdet oder Sothis.

Im Orient liebten es die Frauen schon immer zu tanzen, wenn sie zusammen kamen. Sie taten dies auch in der Schwangerschaft und es gibt Berichte, die besagen, dass Frauen sogar während Geburten gemeinsam tanzten. Gerade dabei wurden natürlich Bauch- und Beckenbewegungen gemacht. Weil diese kraftspendenden Bewegungen grossen Spass machen, haben sie, neben vielen anderen, Eingang gefunden in den klassischen Orientalischen Tanz, wie wir ihn heute kennen. Entstammt dieser Tanz einer Frauentradition, wie oft vermutet wird? Entwickelte er sich etwa aus Tänzen, die in fernen matrilinearen Gesellschaften getanzt wurden?

Früher hatten Frauen und Männer oft getrennt gefeiert und getanzt.

Auf der ganzen Erde tanzten die Menschen, um das Leben zu feiern sowie die Jahreszeiten mit den Zyklen und Höhepunkten und um mit dem Geheimnisvollen, dem Numinosen zu kommunizieren.

Vergleichbare Tänze wie im orientalischen Raum, finden wir in anderen Teilen der Welt. Zum Beispiel sind Aehnlichkeiten deutlich sichtbar in den Bewegungen afrikanischer Tänze und des hawaiianischen Hula.

Die Vielfalt der überlieferten, das heisst bekannten, Folkloretänze im Orient ist sehr erstaunlich, ganz zu schweigen von den Tänzen, die Aussenstehende noch gar nie je zu Gesichte bekommen haben und nur in der jeweiligen Region vorkommen. Dort, in abgelegenen Dörfern, können sich die Tänze durch die Einheimischen selber weiterentwickeln und werden an die nächste Generation weitergegeben  wie es seit Urzeiten geschieht.  Es ist kein Wunder, dass im Orient Ausbildungen für Folkloretanz 4 Jahre lang dauern!

Durch Wandernde wurde die Tanzkultur schon immer bereichert, zum Beispiel durch nomadisierende Stämme und in Ägypten insbesondere durch die Ghawazee. Dort soll es noch heute Nachfahren von ihnen geben. Dies sind Zigeunerfamilien, deren Frauen seit alters her das Tanzen zum Berufe haben. Die Männer des Clans sind oft Musiker und begleiten die Frauen. Sie kamen einst von Asien, von Indien.

Zur Zeit von Thutmosis dem III., im neuen Reich ca. 1500 v.Chr., soll die Hauptstadt Theben einst Mittelpunkt der Welt für die Ägypter  und eine der grössten Metropolen der damaligen Welt gewesen sein. Ägypten  erreichte damals seine grösste Ausdehnung.

Heute noch gilt Ägypten als mindestens kulturelles Zentrum der arabischen Welt.

Unter dem Begriff ‚Orientalischer Tanz’ verstehen viele den professionellen ägyptischen Bühnenstil. Dieser ist anfangs des 20. Jahrhunderts entstanden, ausgehend von Badîaa Masabnis Theater in Kairo wo viele der grossen Tanzstars von damals ihre Karriere begonnen  hatten. Die Zeit zwischen 1920 und 1960 gilt als das ‚goldene Zeitalter’ des ägyptischen Musikfilms. In jenen Filmen wurde insgesamt eine reiche Fülle von Tänzen gezeigt. Die Schweizerin Barbara Lüscher hat in ihrem hervorragenden Buch ‚Die Geschichte des Orientalischen Tanzes in Ägypten’ darüber geschrieben (es beinhaltet übrigens ganz   aussergewöhnliche Lebensgeschichten von Tänzerinnen!) und zusammen mit Hossam Ramzy sehr viele dieser Tänze in Videos gesammelt. Viele Elemente der Folkloretänze sind im klassischen Orientalischen Tanz verschmolzen, zusammen mit graziösen Hand- und Armbewegungen aus dem indischen und persischen Tanz und mit Ballettbewegungen.

Unzählige Musikstücke sind damals wie heute speziell für’s Tanzen komponiert worden. Sie eignen sich sehr gut zum Tanzen, sind oft variantenreich und witzig.

Bis heute tanzen in vielen Familien des Orients vor allem die Frauen mit ihren Kindern zur reinen Unterhaltung zuhause. Bei festlichen Anlässen, ist es ganz selbstverständlich, dass jeweils Familienangehörige oder professionelle Tänzerinnen Tänze darbieten.

Auch wenn der Orientalische Tanz besonders weiblich daherkommt, tanzen ihn viele arabische Männer genauso gern wie die Frauen. Es gibt eigentliche Männertänze, zum Beispiel in Ägypten Fischertänze, Schwert- und Stocktänze kämpferischer Natur, die heute auch von Frauen getanzt werden.

In Nordafrika, dem nahen Osten und in Asien sei der professionelle Tanz seit jeher eine Kunst der Frauen gewesen. Heute gibt es weltweit immer mehr Männer, die gerne auftreten und teilweise den Orientalischen Tanz grossartig interpretieren. Zum Beispiel Horacio Cifuentes und Carlos Carmona, die beide in Südamerika aufgewachsen sind.

Da seit ca. 20 Jahren der Orientalische Tanz in seinen Ursprungsländern einen schwierigen Stand hat, ist es für diese Kunstform überlebenswichtig, dass TänzerInnen und LehrerInnen aus dem Orient uns ihr Können beibringen.

Durch seine grosse Faszination war dieser Tanz zum Glück schon immer Kulturen-verbindend.

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